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Genussreisen

Friaul-Julisch Venetien, ein entspanntes und geschmackvolles Reiseziel

Ein umfassender Guide für die Entdeckung der Region durch ihre Geschichte, Natur und kulinarische Vielfalt

Italien hat eine Region, die ein kleiner verborgener Schatz bleibt. Ein bisschen, weil sie abgelegen ist, und ein bisschen, weil ihre Einwohner zurückhaltende Menschen sind, ist Friaul-Julisch Venetien eine der italienischen Regionen, die perfekt für einen Urlaub im Zeichen der Entspannung sind. Doch nicht nur: Diese bezaubernde Region bietet in der Tat eine ideale und lebendige Mischung aus Abenteuer, Volkskultur und selbstverständlich Weingastronomie.

Nachfolgend erfahren Sie, wie Sie die Region, die sich von den Alpen bis zum Meer erstreckt, von den Hügeln bis hin zu den Weintälern am besten erkunden. Und hier werden Wein und Handwerkserzeugnisse eindeutig ernstgenommen.

Doch zuallererst braucht es eine kleine Legende und ein paar Tipps für Ihre Reise nach Friaul-Julisch Venetien.

Übernachtung: Es gibt wirklich unzählige Optionen. Wenn es möglich ist, empfehlen wir Ihnen, in einem „Albergo diffuso“ zu übernachten. Es handelt sich hierbei um eine Unterkunft, deren Zimmer oder Appartements auf mehrere benachbarten Gebäude verteilt sind, sodass Sie wirklich in den Zauber der kleinen und authentischen Wirklichkeit der Dörfer eintauchen können.

Gastronomie: Osterie, kleine Lebensmittelwerkstätte, kleine Restaurants oder Almhütten. Hier hat alles einen entspannten Rhythmus, wodurch Sie die Zutaten der friaulischen Küche häppchenweise entdecken können.

Friaulische Gastfreundlichkeit: Die Friauler müssen erobert werden. Hier gibt es keine Eile, man macht keinen “schnellen” Urlaub, sondern schenkt Gehör. Das friaulische Volk wird es mit Zuneigung und Warmherzigkeit belohnen.

Der Geschmack der Berge: die Karnischen Alpen zwischen Dörfern, Käse und Schinken

Von Tolmezzo (politisches und wirtschaftliches Zentrum Karniens) aus, dem größten Dorf der Gegend am Fuße des Monte Amariana, können Sie die antike Aurelische Straße aus der Römerzeit entdecken. Sie verband Italien mit Österreich und war Schauplatz von Schlachten des Ersten Weltkrieges.

Nicht weit von hier entfernt (wenn wir in Richtung Plöckenpass gehen) können wir die Wege des Großen Krieges erkunden, Schützen- und Laufgraben sehen und das Leben zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts entdecken, das uns sichtbare Spuren hinterließ. Die Wege werden von dem Italienischen Alpinen Verein CAI aufgezeigt, es ist aber immer empfehlenswert, sich von einem Reiseführer begleiten zu lassen, damit man all das versteht und “sieht”, was die Berge einem unerfahrenen Auge vorenthalten können.

Das Dorf von Tolmezzo wurde 1976 komplett von einem Erdbeben zerstört, bleibt aber dennoch eins der ältesten Zentren Karniens: Seine Altstadt, das “Borgàt”, bietet unzählige Werkstätte und kleine Geschäfte, abwechselnd mit Kirchen und einem Museum für völkische Kunst und Traditionen, das Sie nicht verpassen sollten. Hier finden Sie Werkzeuge, Einrichtungsgegenstände und Rekonstruktionen von typisch karnischen Häusern – eine unglaubliche Reise zurück in die Vergangenheit.

Nach der Wanderung in den Bergen können Sie ein weiteres äußerst berühmtes Dorf entdecken: Sauris (Zahre). Genauer gesagt sind es zwei Dörfer, Sauris di sopra (Oberzahre) und Sauris di sotto (Unterzahre), die insgesamt 500 Einwohner zählen. Bei der Ankunft bemerkt man sofort den Einfluss der bayerischen Architektur: In der Tat scheint diese Gemeinde von Siedlern aus Österreich gegründet worden zu sein. Hier spricht man, neben dem Italienischen und Friaulischen natürlich, immer noch eine einzigartige Sprache, das Zahrische, einen antiken deutschen Dialekt.

Nach Sauris kommt man überwiegend aus drei Motiven: um in der Umgebung wandern zu gehen, den wunderschönen See von Sauris zu besuchen und, um weltberühmte Spezialitäten zu kosten.

sauris.org

Über die Kürbis-Gnocchi mit geräuchertem Ricotta hinaus muss man in Sauris unbedingt den “Formadi Frant”, einen antiken Almkäse, probieren, der heute ein Projekt der Slow-Food-Stiftung ist (hergestellt aus der rohen Milch von Kühen, die frei auf den Hochebenen weiden) und den berühmten und schmackhaften, über Buchenholz geräucherten Prosciutto di Sauris g.g.A..

Und genau seine traditionelle Räucherung macht ihn so einzigartig und köstlich – vor allem mit einem Bier aus der kleinen lokalen Brauerei (Zahrebeer Ssa Birrificio), die außergewöhnliche, nicht fermentierte Biere braut, welche durch das regionale Wasser einen äußert hohen Mineraliengehalt haben.

Der Karst: zwischen Steinen, Wasser und Wein

Auf dieser felsigen Landschaft werden zahlreiche Legenden erzählt und alle haben etwas mit den Steinen zu tun, die diesen Boden auf irgendeine Weise „zufällig“ bedeckt hätten.

Die Gegend hat in der Tat eine Beschaffenheit, die sich von allen anderen abhebt: die Kalksteine, die die Hochebene charakterisieren, welche von Italien über Slowenien bis nach Kroatien reicht. 

Die Einwohner haben gelernt, diesen schwierigen Boden zu schätzen und seit 2020 wird hier der Geopark Geoparco Transfrontaliero del Carso gebaut, um das einzigartige geologische Erbe zu würdigen. Allein im italienischen Karst gibt es mehr als 6.000 Dolinen (geschlossene Senken) und mehr als 3.000 unterirdische Höhlen (Grotten, Schlucklöcher und andere besondere geologische Phänomene), mit einer Durchschnittsdichte von 16 Grotten pro Quadratkilometer. Auf alle Fälle unglaublich.

Also, was sollte man nicht verpassen? 

Nach dem Besuch der reizenden Stadt Triest, wo Sie von der Piazza Unità d’Italia am größten Meer Europas verzaubert wurden, das elegante Viertel Borgo Teresiano besucht haben, das der österreichische Kaiser Karl VI. errichten ließ, und nachdem Sie überprüft haben, ob es am Molo Audace die Bora (der berühmte Wind, der die Stadt durchquert) weht, machen Sie sich auf den Weg in die Hügel über der Stadt und entdecken Sie die rauesten Gegenden des Karstes.

Wenn es Ihnen nichts ausmacht, sich unter die Erde zu begeben, sollten Sie unbedingt die Grotta Gigante (die Riesenhöhle von Triest) besuchen, die Sie bis zu über 100 m unter die Erde bringt: Es ist die größte Schauhöhle der Welt.

Bleiben Sie dagegen lieber am Boden, ist eines der lohnenswertesten Erlebnisse, nach den sog. „Osmize“ zu suchen. Es handelt sich hierbei um Bauernhäuser, landwirtschaftliche Betriebe und Weinbaubetriebe, die ihre Türen öffnen und Sie mit Wein und hauseigenen Erzeugnissen von Käse bis zum Aufschnitt verwöhnen.

Das Wort osmiza kommt aus dem Slowenischen osem (acht auf Deutsch), denn nach dem Dekret der Habsburger aus 1784 durften diese Häuser nur acht Tage im Jahr für Gäste geöffnet sein. Wer also den Pop-up-Store erfand, hat nichts erschaffen, was es in Friaul nicht schon gab!

Auf Holzbänken, wobei man den Tisch oft mit anderen Gästen teilt, können Sie einiges kosten: Rohschinken, den Käse Jamar (mindestens vier Monate lang in einer Karsthöhle gereift), den Kochschinken in Brotkruste – von Hand geschnitten und mit Meerrettich und hartgekochten Eiern serviert –, den Karstkäse, der oft mit Sauerkirschhonig und hausgemachtem Eingelegten serviert wird, Schafskäse oder Eselsalami, die eindeutig außergewöhnlich sind.

Und was sollten wir trinken? Terrano-Wein (ein intensiver, für den Karst typischer Wein) oder ein Glas Malvasier. Wenn Sie im September in die Gegend kommen, können Sie junge Weine genießen, die gerade hergestellt wurden und einen frischen, bekömmlichen Geschmack haben.

Doch wäre das bereits alles, ginge es nicht um Friaul.

Suchen Sie nach dem Käse Monte Re (Nanos in Slowenisch), ein Erzeugnis der österreichisch-ungarischen Tradition, das heute in einer einzigen Käserei hergestellt wird. Beträufeln Sie den Käse mit nativem Olivenöl extra Tergeste (g.U.), das aus der heimischen Olivensorte Bianchera hergestellt wird, die den Frost 1929 dank der Willenskraft der Bauern des Karsts überstand. Zum Schluss probieren Sie das „jota“, eine traditionelle Minestrone aus Bohnen und Sauerkraut.

Und all dies, während Sie vielleicht den Ausblick auf den Golf von Triest genießen und sich für immer in den Karst verlieben.

Die süßen Hügel: Wein, Wein und noch mehr Wein (und natürlich San-Daniele-Schinken)

Wenn Sie diese Gegend der Region besuchen möchten, sollten Sie Ihren Gaumen vorbereiten, denn es wird Ihnen tatsächlich schwerfallen, all die hochwertigen Weine, die sie bietet, nicht zu probieren.

Beginnen wir in Görz mit den Tälern Valli del Torre und Valli del Natisone und besuchen wir Cividale del Friuli sowie die berühmten Kleinstädte San Daniele und Cormons, finden wir uns in der friaulischen Glanzleistung wieder, was Gastronomie und Weinkultur betrifft.

Hier haben wir die Qual der Wahl zwischen den Weinbaugebieten mit geschützter Ursprungsbezeichnung Friuli Grave, Friuli Colli orientali, Collio e Friuli Isonzo, und den Gebieten mit kontrollierter und garantierter Herkunftsbezeichnung (Picolit, Ramandolo, Rosazzo). Sämtliche Weine sind durchschnittlich sehr hochwertig und das Angebot befriedigt sogar den wählerischsten Gaumen.

Die verschiedenen Rebsorten, aber auch die Bodeneigenschaften versorgen uns mit zauberhaften Weinen (Sie werden hier öfters erzählen hören, dass „der Wein auf dem Weinberg gemacht wird“). Probieren Sie die Weine Pinot Grigio, Pinot Bianco, Friulano, Sauvignon, Ribolla Gialla, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Merlot und Collio (eine Rebsorte mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung). Besuchen Sie die Weinkeller (einige sind unglaublich, wie z.B. jene im Castello di Spessa im Herzen des Gebiets Collio oder der Weinkeller Gravner, der für die Herstellung von Amphorenwein berühmt) und lassen Sie sich von uns auf eine Reise durch die Geschichte und Geschmacksrichtungen begleiten.

Haben Sie mehrere Tage zur Verfügung, könnten Sie im Collio-Gebiet beginnen, auf diesem kleinen Stück Erde in der Provinz Görz, das an Slowenien „anlehnt“. Eine Erfahrung, die Sie machen sollten, ist zweifelsohne eine Fahrradtour (zum Beispiel von Capriva nach Castello di Spessa, Cormons, Brazzano, San Rocco, La Subida, Russiz Superiore und wieder nach Capriva zurück) mit leckeren Zwischenstopps, wo Sie Weine und lokale Delikatessen probieren.

Kommen Sie dagegen in die Gegend, um Schinken zu kosten, sollten Sie, bevor Sie sofort auf den klassischen und feinen San-Daniele-Schinken aus Friaul setzen, unbedingt einen Abstecher in Cormons machen und sich auf die Suche nach dem Prosciutto crudo d’Osvaldo machen. Der geräucherte Rohschinken ist schwer zu finden, sein Geschmack und Qualität sind aber einfach nur unglaublich.

Denjenigen, die lieber vegetarische Alternativen bevorzugen, empfehlen wir eine Spezialität aus dem Gemüsegarten, die neben den Wurstwaren und Käsesorten überaus erwähnenswert ist: Rosa di Gorizia (Rose von Görz), ein leicht bitterer und knackiger Radicchio, dessen tiefrote Farbe ins Rosa übergeht.

Die Wahl des Weinkellers ist wirklich schwer, besuchen Sie also am besten so viele wie möglich!

Blick auf das Meer: die Küste zwischen Grado und Lignano Sabbiadoro

Nach so vielen Bergen müssen auch diejenigen verwöhnt werden, die einen Urlaub am Meer bevorzugen, denn Friaul-Julisch Venetien bietet auch diesen und ein komplett anderes Menü.

Wenn Sie von Triest aus kommen, sollten Sie auf dem Weg nach Grado einen Abstecher auf der Spiaggia di Canovella de Zoppoli machen, einem kleinen versteckten Strand mit kristallklarem Wasser, den Sie nach einem kurzen Spaziergang erreichen. 

Bevor Sie es sich am Tisch bequem machen, um die lokale Spezialitäten zu verkosten, sollten Sie unbedingt etwas Zeit der Stadt Grado und ihrer Lagune widmen: ein kleines Venedig mit engen Gassen und antiken Kirchen (Basilica della Corte und Basilica di Santa Eufemia sind ebenso klassische Ziele wie das Baptisterium).

Sie kommen nicht umhin, das „Boreto“, das Gericht aus Grado schlechthin, zu probieren: eine Art Fischsuppe mit weißer Polenta, die – abgesehen von den modernen Varianten – als Gericht der armen Fischerküche entstanden ist und mit Salz, Pfeffer, Essig und Knoblauch gewürzt wird. Möchten Sie selber ihr Glück mit einer klassischen Fischsuppe versuchen, probieren Sie unsere Fischsuppe mit Fischfilet.

Gehen wir weiter in Richtung Westen, treffen wir auf die archäologische Stätte in Aquileia, die – vor allem für die Schönheit ihrer Mosaikböden, welche römische und frühchristliche Spuren zu Tage bringen und Geschichten eines wirklich antiken Italiens erzählen – zum UNESCO-Erbe gehört. Und wenn Sie nach all dem nichts anderes mehr machen möchten als sich in die Sonne zu legen und die weiten Strände entlang der Küste zu genießen, sollten Sie nach Lignano Sabbiadoro fahren – ein unbestrittenes Reiseziel, wenn es darum geht, sich zu entspannen und zu amüsieren sowie Fischgerichte und Weine zu kosten, die aus dem übrigen Teil der Region kommen.

Das ist Friaul-Julisch Venetien: ein unglaubliches Mosaik aus Geschichte, Gastronomie, Strände und Berge, das wirklich für jeden Geschmack und jedes Alter etwas bereithält.

Unsere kleine Auswahl an Orten und Weinkellern, die Sie nicht verpassen dürfen:

Restaurants
Osteria di Mare alla Voliga – Trieste
Al Ponte – Gradisca d’Isonzo
Lokanda Detetak – San Michele del Carso

Weinkeller und Übernachtung
Castello di Spessa (mit Übernachtungsmöglichkeit)
Gradis’ciutta (mit Übernachtungsmöglichkeit im Borgo Gradis’ciutta, einem Gebäudekomplex aus dem Jahr 1500)
Marco Felluga/Russiz superiore (mit Übernachtungsmöglichkeit im Relais Russiz Superiore)
Cantina Ronco delle Betulle
Cantina Jermann

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