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Italienischer Geschmack

Das italienische Eis: Geschichte und Wissenswertes über eine süße Revolution

Von dem hausgemachten bis hin zu den Varianten der modernen Küche: Das italienische Eis durchlief mit seiner Geschichte mehrere Jahrhunderte und verkörpert eine der wahren Spitzenleistungen “Made in Italy”.

Wer beansprucht für sich die Urheberschaft am Eis? Herauszufinden, wer dieses ikonische Dessert zum Mitnehmen erfand, ist genauso schwierig wie herauszufinden, wer die Pizza erfand: Jeder will der Erste gewesen sein und die interessanteste Geschichte zu erzählen haben.

Machen wir eine schmackhafte Zeitreise durch den Stiefel und entdecken wir Geschichten, Legenden und interessante Fakten über das weltweit berühmteste italienische Dessert mit den höchsten Konsumwerten.

Einer der ersten historischen Belege vom „Eis“ stammt von einem griechischen Dichter aus 500 v. Chr. in Athen. Dort bereitete man Getränke mit Zitrone, Honig, Granatapfelsaft sowie Schnee oder Eis zu – ähnlich wie die Araber, die während ihres jahrhundertlangen Aufenthalts auf Sizilien den Schnee des Ätna mit Fruchtsäften mischten. Auf der anderen Seite gab es im Mittleren Orient schon immer ein gefrorenes Getränk namens Sherbet (süßer Schnee), von dem sich der italienische Begriff Sorbetto (zu Dt. Sorbet) ableitet.

Doch das sind nur die unausgereiften Vorfahren von dem, was wir als modernes Eis kennen und deutlich neuere Ursprünge hat.

Die Ursprünge des italienischen Eises

Wenn wir jemandem das Patent erteilen möchten, muss das Recht unter drei Persönlichkeiten aufgeteilt werden: Ruggeri, Buontalenti und Coltelli.

Ruggeri war ein einfacher florentinischer Viehhändler (ungefähr in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts), der an einem Wettbewerb teilnahm, den Caterina de’ Medici ausschrieb mit der Herausforderung „ein einzigartiges, noch nie dagewesenes Gericht vorzustellen“. Ruggeri gewann den Wettbewerb mit einem Dessert aus Eis und Früchten und der Sieg brachte ihn an den französischen Königshof – wo die berühmte Caterina die Königsgemahlin war – und somit in die Elite der französischen Kochkunst.

Bernardo Buontalenti, der sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auch als Maler, Architekt und Ingenieur einen Namen machte, ist eindeutig in die Geschichte eingegangen, weil er derjenige war, der diesem anfänglichen Eis Milch und Eier beimischte und so das Dessert erschuf, das man heute noch unter dem Namen Crema Fiorentina (in Florenz nach ihm Buontalenti genannt) verkosten kann.

Der Dritte, von seiner Bedeutung jedoch keinesfalls der Letzte, ist Francesco Procopio dei Coltelli, das Sinnbild par excellence für das italienische Unternehmertum, der, als er des Fischerlebens auf Sizilien müde wurde, eine Sorbetmaschine in die Hand nahm, die aus der Zeit des Durchzugs der Araber auf der Insel stammte und ihm von seinem Großvater vererbt wurde. Er begann, zu experimentieren, ersetzte den Honig durch Zucker und machte den Sorbet noch cremiger.

Nachdem er das Rezept perfektionierte, zog er nach Paris, wo er 1686 das Cafè Procope (das sich heute noch in der Rue de l’Ancienne Comédie 13 befindet und inzwischen Restaurant ist, seine Wurzeln aber nicht vergaß) eröffnete, das die erste echte Eisdiele war, die ihrem Namen würdig war. Zu ihren Gästen zählten Intellektuelle vom Kaliber eines Voltaire oder Victor Hugo und angeblich kehrte auch Napoleon immer wieder ein.

procope.com
procope.com

Doch, um nachvollziehen zu können, wieso das Eis so unglaublich verbreitet und beliebt wurde, müssen wir in eine andere, unerwartete Gegend Italiens fahren, in die Provinz Belluno und das Tal Val di Zoldo, die zu Mitte des 9. Jahrhunderts eine der dunkelsten Krisen ihrer Geschichte erlebten. Da die Eisenminen erschöpft waren, waren die Einwohner gezwungen, die Grenze in Richtung Österreich zu überqueren, in der Hoffnung, aus dem Verkauf von gerösteten Kastanien und gebratenen Birnen leben zu können, doch einer von ihnen hatte scheinbar auch die Veranlagung zum Eisverkäufer. Auf den Straßen der Stadt sah man immer mehr Straßenhändler mit einem Wagen und einer manuellen Eismaschine und nach kurzer Zeit eröffneten immer mehr Italiener feste Eisdielen und wurden zu kleinen Unternehmern. So kam es, dass sich die italienischen Eisdielen in Österreich und Deutschland immer weiterverbreiteten und, dass heute das Haus der Geschichte in Bonn, das Museum für moderne deutsche Geschichte, über einen Raum verfügt, der wie eine Eisdiele aus den 60-er Jahren eingerichtet ist, mit Postern von Venedig an den Wänden. Und es ist nicht irgendeine Eisdiele, sondern die Nachbildung einer von den vielen Eiscafés, die von Einwohnern der Gemeinden Val di Zoldo und Valle di Cadore in Österreich und Deutschland eröffnet wurden. 

Unsere Leidenschaft für Eis: Zahlen und wissenswerte Fakten

Die Verbreitung des Eises ist eindeutig eine Geschichte, die von brillanter italienischer Leidenschaft und Unternehmertum erzählt und unzählige interessante Fakten birgt: Wer sind zum Beispiel die größten Eiskonsumenten der Welt? Um sie kennenzulernen, müssen wir wortwörtlich zum anderen Ende der Welt reisen: nach Neuseeland, wo der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von Eis bei 29 Litern liegt, was fast dreimal so hoch ist als die Menge, die ein durchschnittlicher Italiener verspeist. 

Und auch wenn die Italiener drei Sorten bevorzugen (Schokolade, Haselnuss und Zitrone), findet man in vielen Eisdielen auch extravagante Sorten wie Pizza, Veilchen oder Parmigiano Reggiano… Letzteres natürlich strickt mit Birneneis!

Jemand hat einmal versucht, alle Eissorten zu zählen und ist scheinbar bei 600 angekommen… Definitiv zu viel, um auf eine einzige Eistüte zu packen!

Der Erfolg von Eis kennt keine klimatischen Grenzen (in den Vereinigten Staaten sind die größten Konsumenten beispielsweise die Einwohner von Alaska!) und auch im Winter sinkt der Konsum kaum.

Die Welt des handgemachten Eises bringt Meisterwerke hervor, die auch in die Küchen von Sterneköchen Einzug halten wie die des italienischen Kochs Davide Oldani, der das Eis in seiner Pop-Küche als kalte Sauce und als Kontrast zu knusprigen Zutaten verwendet.

Vielseitig, mit einer faszinierenden Geschichte und einfach nur göttlich: Es gibt eindeutig viele Gründe, weshalb dieses Dessert in jeder Ecke der Welt so beliebt ist.

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